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  • AutorenbildBernd Hoppmann

Die neue Alte - Fujifilm X100VI Review

Aktualisiert: 31. März

Gut vier Jahre nach der Fujifilm X100V ist seit Ende Februar 2024 die Nachfolgerin mit 40 Megapixelsensor und IBIS-Bildstabilisator verfügbar. Ob sich der Um- oder Einstieg auf die X100VI lohnt, wird in diesem Artikel untersucht.


Es kommt mir vor, als habe ich meine Fuji X100V erst gestern gekauft. An den Kauf kann ich mich gut erinnern. Ein Freund hat sie von einem Münchner Fotohändler abgeholt und mir gebracht. Mir fehlt allerdings jede Erinnerung, wann das war. Nicht einmal das Jahr mag mir einfallen. Also durchsuche ich meine Quittungen und stelle mit Erstaunen fest, dass ich die X100V am 12.03.2020 bekommen habe. Es muss ein Donnerstag gewesen sein, denn am Freitag den 13.03.2020 hat mich mein Arbeitgeber für die nächsten drei Jahre ins Homeoffice geschickt - es war der Anfang der Corona-Pandemie.


Die X100V war vier Jahre lang mein treuer Begleiter durch die Pandemie.


Stay Home
Stay home - X100V

Stay Home? Nein, sie ist nicht zuhause geblieben, sie war immer dabei. Anfangs auf leeren Spielplätzen oder menschenleeren Fußgängerzonen später im so herrlich leeren, ruhigen Venedig.


Railto MArkt
Früh morgens auf dem Rialto Markt - X100V

Ziemlich genau 4 Jahre nachdem ich sie gekauft habe, hat Fuji ihre Nachfolgerin auf den Markt gebracht - die Fujifilm X100VI. Ich hatte das Glück, eine der wenigen Limited Edition Modelle kaufen zu können, die nicht intern vergeben oder durch Bots "erkauft" wurden, nur mit dem Ziel, sie auf ebay für bis zu 7.500 € weiterzuverkaufen. Schade, dass sich dieses Geschäftsgebaren, was einst mit Sneakern oder Lego-Modellen angefangen hat, sich jetzt auch auf dem Kameramarkt ausbreitet. Hoffentlich lässt sich Fuji, wie bereits in den USA oder Japan geschehen, etwas einfallen, damit Fotografen in Europa Kameras zukünftig zu fairen Preisen von ihren Händlern erhalten.


Fuji X100Vi Limited Edition
Fuji X100Vi Limited Edition

Was ist neu?

Äußerlich hat sich die Fuji X100VI gegenüber ihrer Vorgängerin kaum verändert. Auf der Rückseite ist der DRIVE/DELETE-Button etwas nach rechts gerutscht, sodass er jetzt einfacher mit dem Daumen der rechten Hand erreichbar ist. Auf der Vorderseite hat sich der Umschalthebel für den optischen bzw. LED-Sucher mal wieder geändert. Auf die rote Markierung hat Fuji verzichtet und der Hebel ist etwas griffiger geworden - feinste Details.

Die Maße sind fast identisch geblieben. Lediglich die Tiefe hat um 2 mm auf 55 mm zugelegt. Das Gewicht hat um 42 g auf 520 g zugenommen. Beides bemerket man in der Handhabung allerdings nicht.

Der rückseitige LCD Monitor lässt sich nun etwas weiter nach unten, jetzt auf 45° herunterklappen. Dadurch wird das Fotografieren über Kopf erleichtert.


Die X100-Familie ist neben den Leica-M- oder den Contax-G-Kameras für mich eine der am besten designten Kameras. Die Veränderungen von der ersten bist zur sechsten Generation sind minimal - und das ist gut so!


Kaum ein Unterschied
Kaum ein Unterschied - links X100VI, rechts X100V

Für das Innere der Kameras haben sich die Fuji-Ingenieure dagegen viel Neues einfallen lassen.

Fünf-Achsen-IBIS-Bildstabilisator

Erstmalig wird in der X100VI ein Fünf-Achsen-IBIS-Bildstabilisator verbaut. Er soll bis zu 6 Blendenstufen bringen. Ohne mich abzustützen, schaffe ich vier - also eine 1/4 Sekunde statt 1/60. Der IBIS ist auch der Grund für die geringfügige Zunahme der Kameratiefe.

Es ist schon erstaunlich, welche Fortschritte die Miniaturisierung gemacht hat. Vor fünf Jahren wäre ein IBIS in einem Gehäuse einer X100 undenkbar gewesen. Bei Bedarf lässt sich der Stabilisator ausschalten. Sinnvoll ist dies bei der Benutzung eines Statives, was bei einer Kamera, die bestens für die Streetfotografie gemacht ist, wahrscheinlich selten vorkommt. Durch den Stabilisator lassen sich jetzt viel einfacher Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen machen, z.B. in Museen, beim abendlichen Spaziergang oder auf Partys.

X-Prozessor 5

40 MP Sensor

Autofokus


Fuji ist bekannt für seine Filmsimulationen. Dieses Feature - und natürlich das klassische Design - hat die Kamera bei Influencern so begehrt gemacht. In der X100VI stehen jetzt 20 verschieden Filmsimulationen zur Auswahl. Neu ist Reala Ace - weniger gesättigt bei einer ausgeglichenen Tonalität.

Die Filmsimulationen kann man entweder direkt auswählen oder man speichert sie sich zusammen mit anderen Einstellungen aus den Menüs Imagequalität und AF/MF in einer von sieben benutzerdefinierten Einstellungen.


Was ist geblieben?

Neben den technischen Qualitäten hat vor allem das klassische Design die X100-Familie so erfolgreich gemacht. Die Einstellräder für Zeit, Isowert oder Belichtungskorrektur betonen das Retro-Design - ebenso der Blendenring. Auch der sehr gute Hybridsucher hat sich nicht verändert. Er ist zwischen optischen und LED-Sucher umschaltbar.

Geblieben ist auch das Objektiv der direkten Vorgängerin. Es hat sich insbesondere offenblendig im Nachbereich stark verbessert.


Fujifilm X100VI
Klassisch im Messsucher-Design - die Fujifilm X100VI

Trotz des leichten Zuwachses der Kameratiefe lässt sich sämtliches Zubehör der X100V weiterverwenden. Dazu zählen der Tele- und Weitwinkelkonverter und auch das Ledercase LC-X100V. Letzteres darf Fuji allerdings gern überarbeiten, sodass die vordere Abdeckung beim Herunterklappen wieder am Bodenelement mit einem Druckknopf befestigt ist und hängen bleibt. Denn nur so kann man die Kamera schnell aus einer Tasche nehmen, Ledercase öffnen, Foto machen und wieder schließen. Beim aktuellen Modell muss ein Teil des Ledercases unter den Arm geklemmt oder zunächst in der Tasche verstaut werden, bevor man fotografieren kann - umständlich!


Bildqualität

Die 40 MP der Fuji X100VI versprechen natürlich mehr Auflösung. Unter Auflösung versteht man die Fähigkeit des Objektivs und des Sensors Strukturen voneinander abgegrenzt wiederzugeben. Wenn man das selbe Motiv mit der X100VI und der X100V nebeneinander in einem RAW-Konverter, z.B. Lightroom vergleicht und sich auf 100% Darstellungsgröße anzeigen lässt, fällt zunächst der größere Abbildungsmaßstab der X100VI auf. Er ist aufgrund der ca. 1,5 fachen Pixelanzahl der X100VI zu erklären (siehe Abbildung unten).

Des Weiteren sieht man auch eine leicht schärfere, kontrastreichere Abbildung bei der X100VI. Allerdings fällt der Unterschied sehr gering aus. An den Sensorrändern ist er etwas größer zugunsten der neuen X100VI.

Die Bildqualität der X100V war bereits hinreichend gut. Sie hat schon das neue Objektiv erhalten, was unverändert in der X100VI übernommen wurde. Es zeigt sich, dass das Objektiv genügend Auflösung für den 40 MP Sensor bietet.


Vergleich X100VI und X100V
Strukturvergleich zwischen X100VI (links) und X100V (rechts) - Bildmitte

Schärfen

Wenn ihr eure Bilder der X100VI mit Lightroom bearbeitet, solltet ihr die Schärfen-Einstellungen auf den 40 MP Sensor der Kamera anpassen. Die Standardeinstellungen von Lightroom-Classic holen nicht das Beste aus den Details des Sensors heraus. Bereits für meine Fuji X-T5 habe ich für den 40 MP X-Trans-Sensor einen neuen Standard geschaffen, den ich gleich beim Import in Lightroom auf die Bilder anwenden lasse.

Den Schärfebetrag stelle ich auf 81, den Radius auf 0,7 und Details auf 25 ein. Zusätzlich ziehe ich Maskieren auf 28. Das bewirkt, dass Flächen von der Schärfung nicht betroffen sind und ihr damit nicht das Rauschen in der Fläche verstärkt.


Lightroom Schärfen-Einstellung für 40 MP X-Trans-Sensor

Wenn ihr für diese Schärfen-Einstellung ein Preset anlegt, könnt ihr unter Bearbeiten > Voreinstellungen > Presets RAW-Standards festlegen, die beim Import der Bilder angewendet werden. Die RAW-Standards lassen sich für einzelne Kameramodelle getrennt erstellen.


Lightroom - Beispiel für RAW-Standardentwicklungen für eine Fuji X100VI und eine Fuji X-T5

RAW-Konverter

Zu Zeiten des klassischen Films war eine Aufnahme nur so gut wie das verwendete Objektiv und die Arbeit des Filmlabors beim Entwickeln. In der der Digitalfotografie wird das Filmlabor durch den RAW-Konverter ersetzt. Ich verwende standardmäßig bereits seit vielen Jahren Lightroom Classic.

Um einen ersten Eindruck von einer neuen Kamera oder einem neuen Objektiv zu erhalten, drehe eine kleine Runde in meinem Wohnviertel. Dort gibt es genug Motive, die ich regelmäßig fotografiere. Das ist sicherlich keine wissenschaftliche Arbeit, aber sie gibt mir ein erstes Gefühl, wie eine Kamera oder ein Objektiv arbeitet. Eins dieser Motive ist ein Briefkasten.

Beim Importieren des Bildes in Lightroom sind mir an harten Kontrastkanten z.B. bei schwarzer Schrift auf weißem Grund die seltsamen Artefakte am den Rändern der Zeichen aufgefallen. Sie sehen aus wie JPEG-Artefakte, die durch zu starke Komprimierung entstehen. Die RAW-Aufnahme wurde mit einer verlustfreien Komprimierung aufgenommen. Um ganz sicher zu gehen, habe ich einen Tag später die gleiche Aufnahme mit dem unkomprimierten RAW aufgenommen. Die Artefakte blieben aber in Lightroom bestehen. Sollten diese Artefakte bereits bei der Aufnahme entstehen?

Um dieses Auszuschließen habe ich das selbe RAW auch in Capture One importiert. Dort sah das Ergebnis deutlich besser aus. Die Artefakte sind in Capture One nicht vorhanden. Einen Vergleich der Entwicklungsergebnisse bei 400% Vergrößerung sind in den folgen Abbildungen wiedergegeben.


RAW-Konvertierung in Lightroom Classic 13.2
RAW-Konvertierung in Lightroom Classic 13.2 mit deutlich sichtbaren Artefakten
RAW-Konvertierung in Capture One 16.3 ohne Artefakte

Die X-Trans Sensoren von Fuji haben eine andere Anordnung der RGB-Pixel als beim sehr viel weiter verbreiteten Bayer-Sensor, der in Kameras fast aller anderen Marken verwendet wird. Der X-Trans Sensor hat seine Vorteile bei der Auflösung von roten und blauen Linien, die senk- oder waagerecht angeordnet sind. Allerdings wird er von Adobe bei der Weiterentwicklung von Lightroom stiefmütterlich behandelt. Schon seit Jahren hinkt die Entwicklungsqualität der X-Trans-Bilder weit hinter dem Bayer-Pattern-Standard hinterher. Umso erfreulicher ist, das Capture One diese Aufgabe hervorragend löst.

Zugegeben, wer schaut sich Bilder in einer 400-prozentigen Vergrößerung an? Bei den meisten Motiven fallen die Artefakte nicht auf. Wer aber die beste Qualität seiner Bilder, die mit Fuji-X-Kameras gemacht wurden, herausholen möchte, sollte alternativ einem anderen RAW-Konverter verwenden.


Fazit

Lohnt sich der Umstieg von einer X100V auf die X100VI? Das hängt ganz von persönlichen Anforderungen ab. Bei der Bildqualität konnte ich keinen großen Entwicklungssprung feststellen. Wer Bilder groß drucken möchte, profitiert von ca. 50 % mehr Pixeln auf dem neuen Sensor. Der Bildstabilisator ist sehr gut für Aufnahmen mit wenig Licht geeignet. Das spart manchmal das Mitführen eines Statives. Auch bei Videoaufnahmen macht sich die viel ruhigere Bildlage durch den IBIS positiv bemerkbar. Durch den optimierten Stromverbrauch lassen sich bei gleichem Akku ein paar mehr Fotos machen. Allerdings hätte ich mir persönlich in der X100VI den Akku der Fuji X-T5 gewünscht. Er hat mehr Leistung und ist etwas größer. Das hätte zu einem etwas größeren Griff an der X100VI geführt, der vielleicht etwas besser in der Hand liegt.

Wer auf diese genannten Punkte verzichten kann, darf gern bei seiner X100V bleiben. Besitzer*innen der Vorgänger-Modell X100 Mark 1 bis Mark 4 rate ich allerdings zu einem Umstieg. Er lohnt sich schon deshalb, weil an der X100VI (und auch bereits an der X100V) das neue, wesentlich verbesserte Objektiv verbaut ist.

Und Neueinsteiger*innen? Mit 23mm (oder 35mm umgerechnet auf Kleinbild) hat die X100VI eine sehr universelle Brennweite, die sich für Street-, Landschaft-, Reportage- und Portraitfotografie einsetzen lässt. Sie hat aber kein Zoomobjektiv (wenn man von dem "Digitalzoom" absieht), das bedeutet, ihr müsst zu Fuß auf euer Motiv zugehen, wenn es größer abgebildet werden soll. Was zunächst als Nachteil erscheint, ist aus meiner Sicht eine hervorragende Schulung des fotografischen Auges. Nach ein paar Tagen Training mit einer Fixbrennweitenkamera, wisst ihr, in welchem Abstand ihr euch vom Motiv aufstellen müsst, um ein optimales Foto zu erzielen.


Ausblick - Was wünsche ich mir für eine X100VII?

Zunächst den Akku der X-T5, den NP-W235. Und dann ein neues Objektiv. Das aktuelle Objektiv ist langsam. Zu langsam für den Prozessor und den schnellen KI-gestützten Autofokus. Eine X100 Mark 8 sollte deshalb entweder ein schnelles 23mm Pancake-Objektiv mit Linearmotor erhalten, wodurch sich der Formfaktor der Kamera nicht verändern würde, oder ein ganz neues 23 mm/f1,4 Objektiv. Das solche Objektive trotz hoher Lichtstärke recht kompakt gebaut werden können, hat Leica mit dem 35mm/f1,4 (Artikelnummer 11870) bewiesen. Die Kamera würde damit größer/tiefer und schwerer werden, aber es wäre eine echte Innovation. Den aktuellen Hype um diese Premiumkompaktkamera würde ein f1,4-Objektiv allerdings noch verstärken.


Beispielbilder




Technische Daten


X100V

X100VI

Megapixel

26

40

Bildprozessor

X-Processor 4

X-Processor 5

Sensor

X-Trans CMOS 4

X-Trans CMOS 5

Autofokus

425 Phasendetektionspunkte

425 Phasendetektionspunkte

Autofokus-Funktionen

Augen und Gesichter

Augen, Gesichter, Tiere, Fahrzeuge, Flugzeuge

Bildstabilisierung

--

5-Achsen-Bildstabilisierung im Gehäuse

ISO

160 - 12800

125 - 12800

Video

4K/30fps

6.2K/30fps

Aufnahmelimit

4K: Bis zu 10 Minuten

4K: Bis zu 45 Minuten


1080p: Bis zu 14 Minuten

1080p: Bis zu 60 Minuten

Aufnahmeoptionen

4K/30fps in 10-bit 4:2:2 auf externem Rekorder

Intern 6.2K/30fps in 10-bit 4:2:2

Anzahl Filmsimulationen

17 Filmsimulationen

20 Filmsimulationen

Akku

NP-W126S

NP-W126S

Abmessungen

128 x 74 x 53.3 mm

128 x 74.8 x 55.3 mm

Gewicht

478 g

520 g






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