• Bernd Hoppmann

Gear Talk: Fujifilm X-Pro 3

Aktualisiert: 16. Nov 2019

In wenigen Tagen wird die dritte Generation der Fuji X-Pro-Reihe verfügbar sein. Die X-Pro 3 punktet mit einem Gehäuse aus Titan, neuem Sensor, einem schwenkbaren Monitor und einem neuen hybriden optisch-elektronischen Sucher. Wichtiger als die technischen Spezifikationen finde ich allerdings wie sie sich im Alltag als Kamera bewährt.


Dieser Blogbeitrag ist weder ein Testbericht, noch enthält er im Labor gewonnene Messergebnisse, denn ich bin Fotograf und kein Messtechniker. Er ist ein Bericht über die Erfahrungen, die ich in fünf Tagen mit der Fuji X-Pro 3 sammeln konnte. Er soll vor allem jenen Fotografen als Entscheidungshilfe dienen, die eine älter Fuji-X-Kamera ersetzen möchten .


Erstmalig werden die oberen und unteren Gehäusedeckel der Fuji X-Pro 3 aus sehr wertvollen Titan gefertigt. Sie wird in den drei Varianten Schwarz lackiert (1.899,- EUR), Dura Schwarz und Dura Silber (je 2.099,- EUR) angeboten. Die Oberflächen der beiden Dura-Varianten sind mit einer hochfesten Duratect™ Beschichtung versiegelt. Sie verhindert sehr erfolgreich oberflächliche Kratzer, wie sie durch das Ein- und Auspacken aus der Fototasche oder bei Berührungen mit Reißverschlüssen leicht entstehen. Ich habe es probiert und mit meinem Haustürschlüssel auf dem Gehäuse kräftig gekratzt - nicht eine kleine Schramme war zu sehen!

Fuji X-Pro 3 Dura Silber

Im Vergleich zur silbernen X-T3 oder X-T30 besitzt die Dura Silber-Variante der X-Pro 3 einen deutlich wärmeren Farbton, der leicht ins Rote abdriftet.


Neue Features


Monitore

Die äußerlich auffälligste Neuerung der Fuji X-Pro 3 ist ihr klappbarer Monitor mit 1,62 Millionen Pixeln. Er stand ganz oben auf der Wunschliste der Fujifangemeinde. Allerdings ist er anders ausgefallen als es sich viele erhofft haben, denn standardmäßig ist der Monitor nicht sichtbar. Er kann aber maximal um 180° nach unten aufgeklappt werden. Ein Monitor, der während des Shootings nicht sichtbar ist? Ja! Fujifilm möchte mit der X-Pro 3 wieder den Fokus auf das Fotografieren legen. Der Fotograf muss nicht nach jeder Aufnahme auf den Monitor schauen und das Bild kontrollieren. Der Akt der Fotografie und das Beschäftigen mit dem Motiv soll wieder in den Vordergrund gestellt werden. Nur Leica war mit der M-D noch mutiger und hat ganz auf einen Monitor verzichtet. Auf der Kamerarückseite, wo sich bei der X-Pro 2 der LCD Monitor befindet, ist bei der Pro 3 ein kleines quadratisches 8-Farb-LCD-Status-Display mit 176 x 176 Pixeln angebracht. Es zeigt in der Ansicht "Klassisch" die Verpackungsdeckel der Filmverpackungen an, die man sich zu analogen Zeiten abgerissen und auf die Rückseite der Kamera geklemmt hat. Zusätzlich zeigt die Ansicht die Info über die Weißbalance und den eingestellten ISO-Wert an. Alternativ kann man das Display auf "Standard" umstellen und erhält ausführlichere Information zu den Kameraeinstellungen. Diese Darstellung ähnelt dem Schulterdisplay der Fuji GFX 50S oder X-H1.


Neuer Hybrid-Sucher

Schon seit der ersten Version verfügt die X-Pro über einen hybriden Sucher. Er ist wahlweise optisch (OVF) wie an klassischen Messsucherkameras oder elektronisch (EVF). Gegenüber der X-Pro 2 verzichtet der OVF der Pro 3 auf zwei einstellbare Suchervergrößerungen. Er begnügt sich fortan mit einer fixen 0,52-fachen Suchervergrößerung. Nachteilig wirkt sich das auf die 18 und 16mm Objektive aus, deren Sucherrahmen nicht mehr im OVF sichtbar sind.

Diesen Nachteil gleicht aber das neue OLED-Panel (EVF) mehr als aus, Es löst in der X-Pro 3 3,69 Megapixel auf. Es ist größer und wesentlich kontrast- und farbreicher als das LCD-Panel der Vorgängerin (98% RGB). Im Boost-Modus arbeitet das OLED mit 100 MHz und ist damit absolut flackerfrei.


Neuer Hybridsucher. Optisch 0,52-fache Suchervergrößerung, elektronisch mit 3,65 Megapixel OLED Dsiplay

Sensor und Prozessor

Es wundert nicht, dass die X-Pro 3 technisch viel von der X-T3 übernommen hat. Der neue Sensor löst 26,1 Megapixel auf (X-Pro 2: 24 Megapixel). Der Gewinn an Auflösung ist zwar minimal und gewiss kein Grund auf die Pro 3 umzusteigen. Allerdings ist der neue Sensor rückwärtig belichtet. In Kombination mit dem neuen CMOS 4 Sensor kann die Fuji X-Pro 3 mit Autofokus daher bis zu einem Helligkeitswert von -6 EV zuverlässig fokussieren - was nahezu völliger Dunkelheit entspricht!


Software und Filmsimulation

Zugegeben - ich bin RAW Shooter. Filmsimulationen nutze ich z.B. nur, um im elektronischen Sucher das Bild in Schwarz-Weiß zu sehen. Das finale Bild arbeite ich immer aus den RAW heraus. Nur wenn ich spontan in sozialen Medien ein Foto veröffentliche, greife ich auf die JPEG-Bilder zurück. Ich habe daher meine Kameras so eingestellt, dass auf der SD-Karte im Schacht 1 immer die RAW und auf der SD-Karte im Schacht 2 die JPEGs gespeichert werden. Die JPEGs dienen mir quasi nur als Backup, wenn die Karte 1 defekt sein sollte, was mir allerdings noch nie passiert ist.

Dennoch hat es mich gefreut, als Fuji die Acros-Simulation einführte. Ich fotografiere gerne analog und in meinem Kühlschrank lagern noch etliche Rollen Acros 100.

Mit der X-Pro 3 gibt es die neue Filmsimulation "Classic Neg", die den Fujicolor Superia 100 aus den 1980er Jahren interpretiert. Dieser Filmlook bietet einen verhältnismäßig hohen Kontrast, eine mittlere Sättigung und eine leichte Farbverschiebung. Warme Farben werden kräftiger und kalte Farben leicht entsättigt dargestellt.


Neue Filmsimulation Classic Neg

In der X-Pro 3, die mir zum Testen zur Verfügung stand, war bereits die finale Firmware Version 1.0 installiert. Leider wird diese neue Filmsimulation im deutschsprachigen Menü mit "Klassisch Schwarz" betitelt. Sicherlich wird Fujifilm den Übersetzungsfehler mit einem der nächsten Firmwareupdates beheben können.


Für die In-Kamera-Bildbearbeitung hat Fujifilm reichlich neue Features zur Verfügung gestellt:

  • Die Intensität der Wiedergabe von Helligkeitsstufen lässt sich in der Pro 3 jetzt anhand einer Gradationskurve (Tonkurve) einstellen. Ein interessantes Feature vor allem für Fotografen, die in Lightroom oder Photoshop mit Gradationskurven arbeiten.

  • Ebenso neu ist auch die Möglichkeit Klarheit im Bild zu regeln. Mit Klarheit kann man den Kontrast in den Mitteltönen steuern.

  • Um den klassischen Filmkornlook zu imitieren, lässt sich in der Pro 3 der Körnungseffekt einstellen. Er lässt sich in Größe und Intensität des Korns variieren.

  • Mit Monochrom Farbe lassen sich Schwarz-Weiß-Aufnahmen einfärben, so dass sie eine wärmere oder kühlere Anmutung haben. Diese Funktion gibt es bereits in der X-T3 und X-T30.

  • Color Chrome Blau verleiht den Fotos mehr Tiefe, indem Kontraste angehoben und Blautöne gesättigter ausgegeben werden

Erstmalig lässt sich in einer Fuji-Kamera ein HDR-Foto erstellen. Dazu nimmt die Pro 3 mehrere Fotos hintereinander auf und verrechnet sie kameraintern zu einem HDR-Bild. In der Praxis ließen sich durchaus gute Ergebnisse erzielen, bei denen Ghosteffekte aufgrund von Bewegung gut herausgerechnet werden.


Linke Bildhälfte Classic Neg, rechts die neue HDR Funktion

Einige neue Features betreffen auch die Bildorganisation in der Nachbearbeitung. Einerseits werden Sternebewertungen, die man in der Fuji X-Pro 3 vornimmt nun auch z.B. in Adobe Lightroom übernommen. Das ist besonders praktisch, wenn man während eines Shootings mit dem Kunden in der Kamera bereits Fotos priorisiert und mit Sternen markiert. Die Sternebewertungen werden nach dem Import der Bilder direkt in Lightroom angezeigt. Der lästige manuelle Vergleich von Lightroom-Katalog mit dem Preview in der Kamera entfällt daher.


Ebenfalls sehr hilfreich finde ich die Möglichkeit Objektive von Drittherstellern, die ihre Exif-Daten nicht elektronisch an die Kamera übermitteln können (z.B. alte manuell fokussierende Objektive) jetzt in der Pro 3 mit einem Klarnamen registrieren zu können. In allen bisherigen Fuji-X-Kameras konnte man nur eine Brennweite festlegen. Jetzt lässt sich der Name des Objektivs, z.B. Leica Summicron 2.0//40mm ebenfalls registrieren und wird dann in die Exif-Daten des Bildes geschrieben.


Bedienung

Der Umstieg von einer X-Pro 2 oder der X-T3 auf die X-Pro 3 ist einfach. Die wesentlichen Bedienelemente sitzen dort, wo sie an einer Fujikamera zu erwarten sind. Das gilt zumindest für die Deckplatte der Pro 3.


Zeit, ISO und Belichtungskorrektur sind an ihren gewohnten Plätzen

Die Rückseite hat sich allerdings wesentlich verändert. Neben dem neuen Monitorkonzept fällt vor allem das Fehlen des D-Pads auf. Diese 4+1 Tasten dienen der Naviagtion im Menü und sind frei definierbare Funktionstasten. Auf der Rückseite der X-Pro 3 befinden sich nur noch 7 statt 13 Tasten wie an der X-Pro 2. Statt D-Pad hat Fujifilm sich für die Bedienung via Wischbewegungen auf dem Touchscreen entschieden. Damit folgt die Pro-Serie einem Trend, der mit der X-E3 eingeführt und zuletzt an der GFX 50R angewendet wurde. Klar - Touchscreens bieten diese Funktion und der Generation Y kommt man auch entgegen. Schließlich soll sich die Käuferschicht erweitern und verjüngen. Dient diese Entscheidung aber dem fotografischen Workflow? Das D-Pad kann man bedienen, wenn der Fotograf mit dem Auge noch durch den Sucher schaut. Es liegt für den Daumen an genau der richtigen Stelle, um vier Funktionstasten schnell und unkompliziert zu erreichen, ohne dass der Fotograf die Kamera absetzen muss. Falls also eine dringend gebrauchte Funktion nur noch via Wischbewegung auf dem Touchscreen aufgerufen werden kann, muss man das Fotografien an der X-Pro 3 unterbrechen und die Kamera absetzen. Leider befindet sich auf der Rückseite aber nur das kleine Statusdisplay. Um an den Monitor zu gelangen, muss man diesen zusätzlich ausklappen. Ich finde das viel zu umständlich gelöst und es verhindert genau das, was Fuji eigentlich in den Vordergrund stellen wollte - das Fokussieren auf die Aufnahme, auf den entscheidenden Moment, den man jetzt vielleicht verpasst.


Quo vadis X-Pro Serie?

Nach fünf Tagen mit der Fujifilm X-Pro 3 stellt sich mir die Frage, ob in der Entwicklungphase einige Teams aneinander vorbei gearbeitet haben. Der neue Bildschirm mit seinem Klappmechanismus war eine bewusste Entscheidung. Das Fotografieren soll wieder im Vordergrund stehen. Aber hat das User-Experience-Team davon gar nichts mitbekommen? Wie sonst lässt sich der Menü-Button auf der Rückseite der X-Pro 3 erklären? Man kann ihn drücken und es passiert nichts! Jedenfalls nichts, was man sofort bemerkt, da der Monitor zunächst ausgeklappt werden muss. Sollte dann nicht im kleinen Statusdisplay ein Hinweis zum Öffnen des Monitors erscheinen? Überhaupt sollte man nicht vielleicht dem User entscheiden lassen, ob er den Monitor wegklappt oder permanent sehen möchte? Also einen Flip-Screen einbauen? Ist der Monitor nach innen geklappt, spart die Kamera Strom und verlängert die Batterielebensdauer. Wenn man dagegen im Studio arbeitet, kann man einen Flip-Monitor nach außen drehen und hat Zugriff auf alle Funktionen.


Es stellt sich generell die Frage bei Fuji, wohin die Reise geht. Fuji X- und GFX-Kameras unterscheiden sich von den Wettbewerben vor allem durch die vielen manuellen Bedienelemente, wie sie bei klassischer Kameras zu finden sind. Das war auch für mich neben der Bildqualität der entscheidende Aspekt beim Umstieg von Leica-Vollformat auf Fuji-APS-C. Fujifilm versucht in letzter Zeit den Spagat zwischen einem klassischen und einem modernen, touchscreengesteuerten Bedienkonzept. Man möchte allen gerecht werden und verliert dabei doch das Ziel aus dem Auge. Warum fällt mir jetzt die Groko ein?

Ich glaube nicht jede Kamera muss allen Zielgruppen gerecht werden. Das geht schon deshalb nicht, weil Fuji sehr viele Serien anbietet, die sich nur geringfügig unterscheiden: Die X-H1, X-T3, X-T30 und X-T100, X-Pro 3 und X-E3 bieten annähernd gleiche Funktionen und Qualität und kannibalisieren sich selbst. Das Spektrum wird nach unten Richtung Consumerbereich mit den X-A Kameras und nach oben in den Profibereich durch die GFX-Serie abgerundet. Wie wäre es, wenn Fujifilm den umgekehrten Weg gehen würde? Revolution statt Evolution? Eine klare Trennung zwischen Consumer-, Prosumer und Profikameras? Kameras, die polarisieren. Im Consumerbereich eventuell komplett auf Funktionstasten verzichten und über ein reines Touchscreenkonzept Handynutzer gewinnen. Im Profisegment den fotografischen Workflow unter erschwerten Bedingungen wieder in den Vordergrund stellen. Denkbar wären auch radikale Entwürfe, wie eine sehr reduzierte X-Pro Mono. Mit Monochrom-Sensor und vielleicht ganz ohne rückwärtiges LCD?


Fazit

Auch wenn die Kritik am Bedienkonzept in meinem Blogbeitrag viel Platz einnimmt, ist die Fujifilm X-Pro 3 ein Kamera, die ich allen empfehlen kann, die den Rangefinderstil mögen.

Links Fuji X-Pro 3 Dura Silber, rechts X-Pro 2 Graphite Edition

Beim Vergleich des Gehäuses mit der Vorgängerin fällt auf, dass die X-Pro 3 reduzierter auftritt. Die horizontale Kante oberhalb des Bajonetts ist verschwunden. Dadurch wirkt sie noch schlichter und eleganter. Die beiden neuen Farbvarianten Dura-Schwarz und -Silber passen zu dieser Kamera ganz ausgezeichnet. Für mich zählt die Fuji X-Pro 3 neben der aktuellen Leica M10 und der (historischen) Contax G2 zu den Stilikonen der Kameras im Messsuchergehäuse.

An das eigenartige Bedienkonzept wird man sich schnell gewöhnen. Die X-Pro 3 entschädigt mit ihrer hervorragenden Bildqualität, der breiten und ausgezeichneten Objektivpalette und ihrem klassischen Design. Wenn ich mit meiner X100F oder der X-Pro 3 unterwegs war, wurde ich sehr häufig gefragt, ob ich noch mit einer alten Analogkamera fotografiere. Fotografiere mit Fuji und die Menschen sprechen dich an!


Fujifilm X-Pro 3 und das XF 16-80mm. Die ideale Städtetripkombi!

Beispielbilder


Zeichnung bis in die Tiefen. X-Pro 3 mit XF16-80 @ 23,5 mm, ISO 640, 1/25 Sek., f4,0

Porsche 356. X-Pro 3 mit XF16-80 @ 20mm, ISO 640, 1/500 Sek., f4,5
Kuppel der Theatinerkircher München. X-Pro 3 mit XF16-80 @ 25 mm, ISO 1000, 1/40 Sek., f4,0
Best place to work. X-Pro 3 mit XF16-80 @ 80mm, ISO 160, 1/340 Sek., f4,0




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